„Ist ja gut, dass wir kein Eigentum haben, aber es haben halt andere.“

Ein schöner, wahrer Satz von Patrick Spät, gefallen letzten Samstag im Laika Neukölln auf der ersten Diskussion der WERK-Reihe. Veranstalter derselben ist das Haus Bartleby, „Zentrum für Karriereverweigerung“, gegründet von der Autorin Alix Faßmann und dem Dramaturgen Anselm Lenz.

Eingeleitet wurde die Chose aber vom „Literaturradio“ Jörg Petzold mit einem großartigen Monolog des mir bis dahin unbekannten Friedhelm Kändler, Flimmerbildbeweis hier:

Für Hintergründe zum Namensgeber Bartleby und den Motiven seiner neuzeitlichen Jünger verweise ich auf die Homepage und eine Spreeblick-Sendung zum Thema mit Faßmann und Lenz.

Hier nur so viel: Selbstverständlich ein wichtiges Thema, der gute, gar nicht so alte Kapitalismus mit seiner Leistungsfixiertheit. Eigentlich sogar DAS Thema. Schön also, dass sich Menschen drum kümmern, denen man ihre Revolutionsrhetorik auch abnimmt. Auch die Außenwirkung ist mit künstlerisch wertvollem Webauftritt, interessanten (und witzigen!) Gesprächspartnern und einem gerüttelt Maß an Show angenehmer als bei vielen anderen „Linken“, die m. E. oft in Gesten und Ritualen erstarrt sind.

Inhaltlich ist’s aber bisweilen doch noch etwas dünn beziehungsweise abstrakt, anfangs wirkte die Veranstaltung zudem wie eine Inszenierung – Publikumsbeteiligung unerwünscht. Könnte am Hintergrund der Macher liegen, die eben dem vielbemühten „Kreativmillieu“ entstammen und nicht irgendwelchen Initiativen, NGOs etc. Jedenfalls waren die vorgeschlagenen Alternativen zur Miete auch „nur“ alte Bekannte: Hausbesetzungen und Genossenschaften. Fairerweise zugegeben: Anderthalb Stunden sind auch echt wenig Zeit, um mal eben alles umzukrempeln.

Sieht man Haus Bartleby jedoch eher als Think Tank des kleinen Mannes, als Denkanstoßgeber mit Massentauglichkeit und ohne Ideologiegedöns, wird schon eher ein Schuh draus. Der erste Schritt zur Veränderung ist immer das Hinterfragen – hier wird man eben dazu ange- und verleitet. In dieses medienwirksame Konzept passt auch die kürzlich ausgelobte Rostige Windmühle, ein Preis für

besondere Versager (w/m/*) […], die sich in privilegierter Position durch deutliche Täuschung Besitzloser hervorgetan haben. Besonderes Gewicht soll dabei gelegt werden auf die Entstellung einstmals ethisch hochwertiger Begriffe und Konzepte für die Fortsetzung der Ausbeutung der Besitzlosen im Kapitalismus = herausragende Hybris.

Nominieren kann jede_r jede_n noch bis zum 1. März, Preisverleihung ist dann am 14. Juli. Außerdem werden die nächsten sieben Samstage im Laika noch so vielversprechende Themen wie Konsum, Depression und Hartz IV diskutiert. Heute ab 17 Uhr lautet das Motto tollerweise „Ächte deine Fürsten“.

PS: Falls irgendwer sich das Video tatsächlich ganz anschaut: Mit  „Mieterhäuser-Kollektiv oder so“ (bei ca. 56:50) meinte ich das Mietshäuser-Syndikat.