„Bitte hier witziges Zitat einsetzen!“

Heute mal einiges an Fremdlesestoff vorneweg: Man hat ja zwischen Bussen, Bergwandern und Bett viel freie Zeit, und von dieser geht bei mir einiges fuer’s Schmoekern in den ongelineten Erzaehlungen anderer Reisender drauf. 

Ein paar meiner Lieblinge unter den Travelblogs moechte ich euch ans Herz legen. Da waere zunaechst einmal Johannes mit seiner Reisedepesche. Der ist zwar schon ein Weilchen wieder zu Hause, hat dafuer aber letztes Jahr einen Grimme-Preis gewonnen. Sehr lesens- und sehenswert, und er hat Laender bereist, die andere nur aus Reisewarnungen kennen (Somalia, Irak). Zu guter Letzt hat er mir Lust auf den Iran gemacht…

Genauso verschlungen habe ich das flocblog (den Realnamen des Autors konnte ich leider auch nach intensiver, dreissigsekuendiger Recherche nicht herausfinden). Unglaubliche Fotos (im Breitbildformat), und er hat eine aehnliche Meinung zu Laos wie ich. Sympathisch also.

Zu guter vorletzt und letzt noch was fuer Hobbyradler, die sich mal schlecht fuehlen wollen: Die je zwei Jungs von Go East und Africa by Bike durchquerten einfach mal Kontinente auf Drahteseln. Gut, in diesen Faellen eher Carbonstuten, trotzdem beeindruckend. Erst recht, wenn man sieht, was fuer geniale Texte und Bilder die nebenher noch raushauen.

Ausserdem bloggen zwei meiner lieben Berliner Freunde ueber ihre Trips, namentlich Jessy und Mel. Jessy ist schon ein Weilchen unterwegs, vor allem in Kanada am Worken und Traveln und hat so einige interessante Berichte verfasst, unter anderem ueber Nordlichter und kanadische Vorstaedter. Von Mel kommt bestimmt noch einiges, sie hat naemlich gestern erst angefangen mit ihrem mutmasslich vierjaehrigen Abenteuer durch Suedostasien, Neuseeland und Australien. Und wer aufmerksam mitlas, weiss: In etwa zwei Wochen werden sich unsere Wege kurz kreuzen, im Isaan (Nordostthailand) naemlich.

Noch ein bisschen was Selbsterdachtes und -erlebtes: China ist bisher mehr so super. Gottseidank. Je naeher ich der Volksrepublik kam, desto groesser wurden naemlich meine Bedenken. Zweifel, die auch geschuert wurden von den vielen Menschen, die Land und Leute schon kennen und an Letzteren wenig gute Haare liessen.

Ja, viele rotzen lautstark rum (auch die Frauen). Aber das ist hier eben nichts Schlimmes – anders, als sich am Tisch die Nase zu putzen uebrigens, und das bei dem scharfen Essen! Ja, viele rauchen staendig und ueberall (eher die Maenner). Im Bus, beim Essen, in Geschaeften, ueberall. Aber siehe oben, und: Dann raucht man halt mit, sie bieten einem eh Kippen an.

Ja, viele draengeln. Ja, viele reden sehr laut und es wird staendig gehupt. Aber laut ist auch der Rest von Asien und draengeln kann ich besser als die, bin ja immer der Groesste. Will meinen: Ich verstehe schon, warum vieles davon einem „Westler“ ruede vorkommt, aber wir sind hier eben nicht im Westen. Sowieso, das liebe ich ja: Erst einen auf weltoffener Backpackerhippie machen, um dann bei jeder Gelegenheit rumzumosern: Zu touristisch, zu unterentwickelt, zu laut, zu wenig los…

Ihr merkt vielleicht: Ich habe inzwischen entdeckt, dass der Prozentsatz an Menschen, die mir auf den Keks gehen, auf Reisen nicht unbedingt sinkt. Auch Deppen koennen fliegen. Auch nach China. Nennt mich einen arroganten Misanthropen, ihr habt wahrscheinlich Recht. Trotzdem: Tatsache ist, dass ich in den letzten Wochen entweder alleine oder mit Leuten zusammen war, die ich nicht so wirklich leiden konnte.

Da sehnt man sich dann schon mal nach Hause. Dort habe ich die Deppen naemlich schon aussortiert und uebrig geblieben sind Menschen, auf die ich mich jetzt schon freue wie Bolle! Plus: Mit diesen Leuten muss ich nicht bei 30 Grad nach acht Stunden Busfahrt aka laotischer Ruettelsitzmassage im selben 10-qm-Zimmer schlafen.

Es kommt also m. E. nicht so sehr darauf an, wo man ist, sondern mit wem und in welcher Verfassung. Umso besser, dass ich auf meinem Weg von Kunming nach Dali das australische Paerchen Sarah und Matt getroffen habe, mit denen ich mich einwandfrei verstehe und bisher zwei sehr entspannte Tage verbracht habe. Unter anderen Umstaenden waere mir Dali vielleicht zu touristisch vorgekommen, aber es kommt eben nicht darauf an, wo man etc pp.

Ausserdem ist’s hier trotzdem schoen, irgendwie ein netter Mischmasch aus gut erhaltener bzw. authentisch neu errichteter Altstadt, toller Natur drumrum (siehe Fotos) und den Annehmlichkeiten, die der „beaten track“ so mit sich bringt: Ein Hostel mit (illegalem) Facebook-Zugang, gelegentlich OKes westliches Essen und gefuehlt doppelt so viele Englisch sprechende Menschen wie im Rest von China. Also sechs von hundert.

Klammer auf. Vorhin habe ich ja die Chinesen noch wie wild gegen ueble Nachrede verteidigt, Fakt ist aber: Englisch spricht hier kaum einer. Warum auch, gibt ja eine Milliarde Menschen, mit denen man sich auf Mandarin unterhalten kann. Und irgendwie habe ich das Gefuehl, dass die alle immer da sind, wo ich gerade bin. Binsenweisheit, aber: China ist voller Chinesen, da ist man als Europaeer trotz Tourismus meist ein ungewohnter Anblick. Kein Wunder, dass hier der Neugier- und „Hellooo!“-Faktor um einiges hoeher ist als noch in Suedostasien.

Das ist alles OK so, die zusaetzliche Aufmerksamkeit nervt mich nicht, zumal fast alle entweder sehr freundlich sind oder eher zurueckhaltend interessiert. Scheugierig. Die Sprachbarriere fuehrt dazu, dass man relativ schnell ein winziges Bisschen Mandarin lernt und foerdert die pantomimischen Faehigkeiten. Bald kann ich meinen Namen tanzen und mach euch alle bei Activity fertig! Klammer zu.

Eigentlich hatte ich mal vor, hier jetzt noch tiefe Einblicke in mein Seelenleben zu liefern, aber das war waehrend o. g. Heimwehphase. Kurzer Abriss: Ich bin definitiv keiner von diesen Vagabunden, die nur am Reisen sind, und zwar am Besten von Kabul ueber Indien nach Mogadischu. Ich waer’s vielleicht gerne, aber ich bin’s nicht. Ich mag’s zu Hause.

Desweiteren ist Asien kein Kontinent, den ich wieder und wieder bereisen wuerde. Nicht falsch verstehen: Ich bin froh, dass ich das hier gemacht habe und immer noch mache, es bereichert ungemein und ich wuerde es jedem empfehlen. Aber innendrin weiss ich eben: Es ist mir eigentlich ein Stueck zu weit aus meinem Komfortbereich, einmal ist (vorerst) genug. Ich faule Sau. Gut, dass Amiland noch kommt, so als Kontrast. Damit ich danach wieder den Westen scheisse finden kann.

Um endlich mal zum Ende zu kommen: Die weniger abstrakten Dinge wie Route, Sehenswuerdigkeiten und Anekdoten muesst ihr diesmal aus den Bildern und der Info-Seite extrahieren. Ihr schafft das. Danke fuer’s Zulesen und macht’s gut!

PS: Der weitere Plan sieht immer noch vor, morgen gen Nordwesten aufzubrechen, ins Nu Jiang-Tal. Eher nicht so viel Internet dort. Oder Menschen. Dafuer Berge.