„Welcome to civilization, son of a bitch!“

Raul hat wieder einen erlegt. Einen Blutegel. Die weniger glamouroesen Seiten eines Dschungeltreks wie der Gibbon Experience. Dafuer gibt’s Ziplining ueber bis zu 700 Meter und in Hoehen bis 100 Meter, drei Stunden Wandern am Tag, drei Tage Klebereis-Gemuese-Essen, Schlafen in Baumhaeusern (inklusive riesiger Spinnen an den Waenden, nein, ich habe sie nicht fotografiert) und am letzten Tag tatsaechlich Gibbons zu Hoeren. Klingen ein bisschen wie Wale. Und man muss dafuer um vier Uhr aufstehen, um kurz darauf oben genannte Drahtseildistanzen im Dunkeln (!) zurueckzulegen. Schoen war’s.

Kurz zur Lueckenschliessung, der letzte richtige Text kam ja schliesslich noch aus Nordostthailand: Songkran auf der Farm bzw. teilweise in Pai war super. Wir haben tatsaechlich ein Konzert gegeben (ich durfte den Gong bedienen) und wurden natuerlich alle klatschnass (gemacht). Rueckblickend war Tacome Pai wohl der bisher schoenste Teil meiner Reise: Nette Mit-WWOOFer, entspannter und billiger „Alltag“ und interessante Einblicke in die Thai-Kultur durch die Farm-Inhaber. Nach der Woche dort ging’s ueber das gemuetliche und ziemlich authentische Chiang Rai, ein chinesisch angehauchtes Bergstaedtchen namens Mae Salong (siehe letzter Bildbeitrag) und das staubig-langweilige Chiang Saen nach Houay Xai auf der laotischen Seite des Mekong.

Ausser der Gibbon Experience, die hier startet, ist Houay Xai leider nichts besonderes. OK, vielleicht durch die Tatsache, dass es aufgrund seiner Grenzlage voller Touristen und der Begleiterscheinungen (Preise!) ist. Noch leiderer wird das auch auf der eigentlich schoenen, zweitaegigen Fahrt den Mekong hinunter nach Luang Prabang nicht besser.

Man verbringt also besagte zwei Tage mit einer Horde von ca. sechzig anderen farangs auf einem vollgepackten „Slow Boat“ respektive im Tourikaff Pak Beng zur Uebernachtung. Naja, ich bin ich ja auch nur zu Besuch, aber ich wundere mich doch, warum manche einen Urlaub in einem voellig fremden Land damit ausfuellen muessen, voellig ueberteuertes Boot-Bier en masse zu saufen und in jedem Dorf, in dem wir anlegen, die armen Laoten (ohne zu fragen) mit Blitzlichtgewitter zu aergern, als waeren wir im Menschenzoo.

Da das Wort „leider“ in diesem Artikel inflationaer gebraucht wird: Bedauerlicherweise bessert sich das Gefuehl, am echten Laos vorbeigeschleust zu werden, in der UNESCO-Welterbestadt Luang Prabang nur unwesentlich. Es ist zwar wirklich schoen hier, aber alles ist auf westliche Touris ausgelegt und dementsprechend teuer. Sowieso, die Preise in Laos ueberraschen mich anfangs: Bis auf die Hostels kostet alles mehr als in Thailand – und das, obwohl Laos im Human Development Index 35 Raenge hinter Thailand rangiert, sprich: sehr viel aermer ist.

Unter anderem ist Reisen in Laos kostspieliger, weil die Strassenstaende, die in Thailand wirklich ueberall billiges, gutes Essen verkaufen, hier quasi nicht existieren. Eine plausibel klingende Theorie ist, dass die Laoten selbst dafuer kein Geld haben und deshalb (anders als die Thais) eben zu Hause essen. Heisst fuer uns Westler dummerweise, dass wir staendig Restaurantpreise fuer Essen bezahlen muessen, dass es in Thailand guenstiger, schneller und oft besser gibt.

Bitte versteht mich nicht falsch, das hier ist Gemecker auf hohem Niveau. Es ist trotzdem noch sehr schoen hier, die Laoten sind freundlich (und haben wirklich Zeit), fast alles ist huebsch anzuschauen, interessant und natuerlich immer noch billig, verglichen mit Europa. Aber zusammen mit einigen Unannehmlichkeiten, fuer die Laos nix kann, namentlich der ersten Magen-Darm-Geschichte (gleich mit Fieber) und dem ersten Diebstahl (nur zwanzig Euro zwar, aber das ist hier halt ein Tagesbudget, und Beklautwerden nervt) fuehrte das zu einer gewissen Ermuedung meinerseits.

Ich wollte also weg aus Luang Prabang, und nachdem ich mich vom tueckischen Huehnchensandwich (war bestimmt die Strafe fuer’s schlechte Vegi-Karma) erholt hatte, machte ich mich schleunigst aus dem Staub. Richtung Nong Khiaw naemlich, und da ist es wirklich schoen. Es gibt fast keine Art von schlechter Laune, die nach drei Tagen in der Haengematte vor einem Bungalow in atemberaubender Umgebung (siehe Panoramafoto) nicht verschwunden waere.

Zusaetzlich durfte ich mal wieder Moped fahren, was sich inzwischen zu einer meiner Lieblingsbeschaeftigungen gemausert hat. Vor allem, wenn man dabei durch zig Bergdoerfchen tuckert, in denen die Laoten (vor allem die Kinder) am Strassenrand winken und so begeistert „Sabaideee!“ groelen, als waeren wir (mein Kurzzeit-Reisebuddy Jake und ich) die ersten farangs, die sie ueberhaupt sehen. Und da wir den ganzen Tag (!) keine anderen Weissen zu Gesicht bekamen, scheint mir das gar nicht so weit hergeholt. Hoehepunkt war der Tankstop, bei dem binnen fuenf Minuten gefuehlte hundert Kiddies ankamen und uns einfach schweigend anstarrten. Knuffig.

Nach diesen versoehnlichen Erfahrungen ging’s ueber das ebenfalls sehr authentische, allerdings weniger augenschmeichelnde Oudomxay weiter nach Luang Namtha, von wo aus ich jetzt diesen gigantoesen Text verfasse. Hier verbringe ich noch eine Nacht, und dann – CHINA! Morgen um 8 Uhr faehrt mein Bus nach Jinghong, Distrikt Xishuangbanna, Provinz Yunnan. In China habe ich gut drei Wochen Zeit, in denen ich hoffentlich bis an die Grenze zu Tibet kommen werde, ganz im Nordwesten Yunnans. Hochland. Mal was anderes.

Wer mir vor der Reise wirklich gut zugehoert hat, fragt sich jetzt vielleicht „Warum nur drei Wochen in China?“, wo ich doch erst am 11. Juni von Hongkong weiter nach Amiland fliege. Tja, ich werde Anfang Juni nochmal zurueck nach Thailand fahren. Erstens, weil’s da entspannt ist und ich gerne den Nordosten noch intensiver erkunden moechte. Und zweitens, weil meine gute Freundin Mel ja auch bald aufbricht in die weite Welt, in Thailand anfaengt und wir fanden, dass das eine gute Gelegenheit ist, nochmal „Hallo“ und „Tschuess“ zu sagen. Das wird kurzweilig.

In diesem Sinne komme ich jetzt auch endlich mal zum Ende und fahr noch ein bisschen Fahrrad um Luang Namtha, bevor der inzwischen allabendliche Regen das unmoeglich macht. Fuer alle, die’s bis hier geschafft haben: Danke fuer’s Zulesen und viel Spass mit den Bildern. Machts gut!