„Dude, look at this!“

Sam aus Neuseeland wischt sich die Stirn mit einem Tempo ab und haelt es mir hin. Es ist schwarz, wohl vom Smog. Heiss (30-35 Grad) und feucht ist es natuerlich auch – es geht gerade auf den Gipfel der heissen Jahreszeit vor dem Monsun im Juni/Juli zu, auch die Thais schwitzen. Innenraeume und Fahrzeuge sind allerdings auf schnucklige 20-25 Grad klimatisiert. Wenigstens inzwischen kein Jetlag mehr.

Der Flug war uebrigens super, man bekommt ja ziemlich viel geschenkt auf den Langstrecken. Cognac schmeckt allerdings nicht. Dafuer sehen Staedte nachts und von oben super aus, wie Venedigs aus Lava. Zumindest die Staedte, die ich auf unserer ziemlich interessanten Route zu sehen bekam: Warschau, Kabul und irgendwas in Indien. In Bangkok dann das erste Mal das inzwischen bekannte Phaenomen: Aussteigen und (noch im Fleecepulli) den Hitzetod erahnen, um im Airport selber direkt wieder zu erfrieren. Mit dem Zug (Klimaanlage) in die Stadt (Bullenhitze) und zum Hostel (Klimaanlage). Das Suk11 war zwar relativ teuer (500 Baht, etwa 12 Euro die Nacht), dafuer habe ich die ersten zwei Naechte ein suesses kleines Zimmer mit Balkonbad.

Fruehabends dann raus, Essen suchen und noch ein bisschen Stadt kucken. Nachdem ich an einer gefuehlten Million Strassenfressbuden vorbeigelaufen bin, kaufe ich mir schliesslich irgendwo fuer umgerechnet 80 Cent eine Riesenportion Suppe und Reis in Tueten mit undefinierbarem, aber sehr wahrscheinlich tierischem Inhalt. Kurz vor der Abreise habe ich uebrigens noch beschlossen, fuer die naechsten sechs Monate meinen Vegetarismus etwas…aehem…lockerer zu interpretieren. Erstens moechte ich gerne uneingeschraenkt probieren koennen und zweitens kommt hier eh fast ueberall sam pla (Fischsauce) rein.

Nun ja, nach diesem etwas ueberfordernden Spaziergang will ich eigentlich noch in die Hostelbar, penne dann aber doch um 20 Uhr ein und komme dank Jetlag erst amnaechsten Tag gegen 14 Uhr wieder zu mir. Dafuer gibt’s nach dem Aufstehen das erste Erfolgserlebnis: Ich finde nach einiger Sucherei einen Pier am letzten von „Longtail“-Booten befahrenen Kanal, dem Khlong Saen Saep. Definitiv der billigste (ca. 50 Cent), schnellste (ca. 20 Minuten) und coolste Weg (ausser mir nur Thais) von meinem Hostel im modernen Ost-Bangkok an den Rand derAltstadt. Dort angekommen, steige ich erst auf den Golden Mount mit Blick ueber Bangkok und Tempel auf dem Gipfel. Danach geht’s Richtung Khao San Road, der als Backpacker-Ghetto bekannten Strasse voller Hostels, Bars und den auch sonst ueberall zu findenden Buergersteig-Staenden, die wirklich alles zu bieten haben: Riesendildos, raubkopierte DVDs, nachgemachtes Cialis… bin ganz froh, dass mein Hostel nicht hier ist!

Am naechsten Morgen geht’s nach dem Fruehstueck los zu Beam, meinem ersten Couchsurfing-Host. Dazu muss ich zum ersten Mal ein Taxi nehmen, was aber super hinhaut. Sowieso, das Transportwesen ist irre: Selbst kuerzeste Strecken werden nicht gelaufen, sondern mit Hilfe der Armada an Taxis, Tuktuks oder Motorbike-Taxis (natuerlich ohne Helm und sauschnell) zurueckgelegt. Skytrain (Hochbahn) und Metro decken noch nicht wirklich viel ab… Beam jedenfalls empfaengt mich sehr freundlich und eroeffnet mir, dass er leider bis am naechsten Tag nicht da sein wird, weil er erst arbeiten und dann zu seinen Eltern muss. Vorher zeigt er mir aber noch seinen „Kiez“ und geht mit mir essen.

Spaeter am Tag – nach einem einstuendigen Starkregen – gehe ich los, mir eine thailaendische SIM-Karte kaufen. Das Einkaufszentrum sieht aus wie wahrscheinlich alle anderen Malls dieser Erde, Globalisierung sei dank. Nichtsdestotrotz, eine Thai-Handynummer habe ich hinterher (siehe Info). Weiter geht’s Richtung Saphan Taksin, einer Bruecke ueber den Chao Phraya, unter der laut Beam Thai-Jugendliche machen, was Thai-Jugendliche eben so machen. Wie sich rausstellt, stehen einige von Ihnen auf Parcours. Die sind hoechstens zwoelf, springen mit Salti zwei Meter hohe Betobloecke runter und lassen mich fotografieren. Nette Jungs. Nachdem ich die Bruecke ueberquert habe und noch ein bisschen rumgelatscht bin, steige ich ins Taxi zurueck zur naechsten Skytrain-Station und fahre zu Beam. Der hat mir inzwischen geschrieben, dass noch ein weiterer Couchsurfer kommen wird: Sam, der Kiwi mit dem schwarzen Tempo.

Mit ihm fahre ich spaeter nochmal los, eigentlich zu einer Bar aus dem Reisefuehrer. Nachdem die aber teurer ist als Bars in Berlin, schlaegt er vor, stattdessen Patpong anschauen zu gehen, das Rotlichtviertel. Mit gemischten Gefuehlen sage ich zu, eigentlich wollte ich mir diesen Teil sparen. Nun ja, zu sehen gibt’s dort letztlich eine Riesen-Sextouristenfalle, in der einem staendig „Pussy-Ping-Pong“ angeboten wird – was wir natuerlich ablehnen – und wo’s von aeltlichen Westlern mit sehr jungen Asiatinnen am Arm wimmelt. Das eigentlich Spannende ist aber der Rueckweg: Da kein Zug mehr faehrt, beschliessen wir, einfach mal loszulaufen. Zweieinhalb Stunden, zehn Kilometer, eine Polizeikontrolle und eine Gratis(!)-Taxifahrt spaeter sind wir bei Beam und irgendwie stolz.

Sonntags schauen wir uns dann endlich die zentrale Altstadt an, bzw. den einzigen Tempel, der nach unserer Ausschlaf-Action um 17 Uhr noch aufhat: Wat Pho. Auch hier ist man vor den allgegenwaertigen Touristenschleppern leider nicht sicher: Von einem freundlichen aelteren Herrn lassen wir uns mit viel „Happy Buddha! Guten Tag! Happy Happy!“ ueberreden, einen Moench in seiner Huette zu besuchen. Der schenkt uns Gluecksbringer-Armbaender, bespritzt uns mit Weihwasser und will uns dann sauteure Buddha-Ketten verkaufen. Wir kommen allerdings mit einer Spende von 15 Baht (ca. 40 Cent) davon. Der Tempel selbst ist super, inklusive betender Moenche und einem mindestens zwanzig Meter langen, liegenden Goldbuddha. Danach holt uns Beam ab und wir fahren mit ihm zurueck.

Tja, jetzt sitze ich schon gut zwei Stunden im Internet-Cafe und habe definitiv zu viel geschrieben. Naechstes Mal wird’s kompakter. Morgen verlasse ich Bangkok, wahrscheinlich per Bus, Richtung Nakhon Ratchasima; Das ist die zweitgroesste Stadt in Nordostthailand und wohl eine gute Basis fuer Trips in die umliegende „Wildnis“ wie den Khao Yai Nationalpark. Mir geht’s also gut, nur die aus Berlin mitgebrachte Erkaeltung war zwischenzeitlich etwas aufdringlich und zur Nebenhoehlenentzuendung geworden. Laueft aber auch wieder…

Macht’s also gut, wir hoeren uns!